Ehrgeiz, Power, Disziplin und andere sind wunderbare Eigenschaften, die wir oft bei leistungsstarken Menschen finden.. Leider haben viele von ihnen Schwierigkeiten, sich zu entspannen. Sie sind notorisch schlecht darin, abzuschalten. Doch gerade Pausen braucht es, um eine starke mentale Verfassung auch langfristig zu gewährleisten.

Ein Tweet von Sahil Bloom brachte ein Thema, dass ich bei Menschen sehe, mit denen ich arbeite, auf den Punkt.

Viele antriebsstarke Menschen haben Probleme damit, ihren inneren Motor herunterzufahren und Schuldgefühle beim ‚Nichtstun’ auszuschalten. Obwohl sie darum wissen, sind Freizeit und Ruhe bei ihnen oft mit einem schlechten Gewissen und einem unguten Gefühl verbunden. Sie fühlen sich getrieben von ihren Aufgaben, ihren Zielen und auch von Erwartungen, denen sie gerecht werden wollen. Es sind Menschen, die gerne lernen, die Weiterkommen wollen, die Spass am produktiven Arbeiten haben und womöglich auf Disziplin getrimmt sind. Sie sind getrieben von selbst gesetzten Zielen und von Resultaten. Ruhe und Pausen empfinden sie nicht selten als „Zeitverschwendung“. Auch der Schlaf wird dann gerne mal reduziert. Dies führt nachweisbar zu schlechteren Ergebnissen. Denn erst die Balance zwischen Hochleistung und Pausen führen zu den besten Ergebnissen.

Weniger ist mehr

Um diesem Mangel an Entspannung entgegenzuwirken, gibt es jedoch eine einfache Technik. Der Produktivitätsguru Ali Abdaal nennt sie das Reitloff Prinzip, was nichts anderes bedeutet, als aktiv absolut nichts Produktives zu tun. Wenn du dich das nächste Mal durch eine „produktive“ Arbeit quälst, von der du überzeugt ist, dass sie unbedingt jetzt erledigt werden muss: Höre damit auf und gebe dir den Raum dich zu entspannen. Nimm dir eine kleine Auszeit in der du ganz bewusst nichts tust bzw. das tust wonach dir ist. Geniesse diesen Zustand ohne schlechtes Gewissen, da du weisst, dass du weitermachst, wo du aufgehört hast – jedoch mit wesentlich mehr Energie, Freude und Inspiration, die man während der Pause getankt hat.

Der Kampf mit dem eigenen Anspruch und den Erwartungen der anderen

Viele Menschen kämpfen heftig mit ihrem eigenen Anspruch. Sie fordern sich, wollen viel und denken, mehr Einsatz, d. h. noch mehr Leistung bringt sie an ihre selbstgesetzten Ziele. Doch nicht jedem fällt es leicht, sich die benötigte Erholung in einem Arbeitsumfeld zu nehmen. Die Blicke der anderen, der Chef, der um die Ecke kommen könnte oder eine spitze Bemerkung eines Kollegen hindern viele daran, sich die Pausen zu nehmen, die sie brauchen, um aufzutanken. Ein gesundes Selbstvertrauen ist hilfreich. Es ist wichtig, für sich selbst einzustehen. Eine klare, unmissverständliche Kommunikation, ein scharfer Blick und die Überzeugung das Richtige zu tun, helfen dabei. Sollte es tatsächlich jemand wagen, die nötige Entspannung infrage zu stellen, arbeitest du eventuell im falschen Umfeld. Dann wünsche ich dir den Mut für dich einzustehen und das Selbstbewusstsein ein Umfeld zu suchen, dass für dich passt. Gute Unternehmenskulturen bieten ihren Mitarbeitenden längst Räume für Auszeiten.

Die Erfahrung zeigt, erst wenn sie die Balance zwischen Leistung und Entspannung stimmt, kommen ihre Durchbrüche. Und was für welche. Dieser Punkt ist nicht nur wichtig, sondern entscheidend dafür, eigene Ziele zu erreichen. Entspannung ist nicht nur wichtig, sondern notwendig, um aussergewöhnliche Leistungen abrufen zu können. Kurze Auszeiten stärken und inspirieren und helfen dabei wieder voll durchzustarten. Zerstreuung und Ruhe sind nicht nur angenehm, sondern machen auch den Unterschied zwischen guten und hervorragenden Ergebnissen aus.

Auch junge Menschen brauchen einen ständigen Wechsel zwischen Leistung und Entspannung.

Wirklicher Erfolg stellt sich ein, wenn die Balance zwischen Leistung und Entspannung stimmt

Eine junge Frau, mit der ich arbeite, wächst mit dieser Methode gerade über sich hinaus. Sie arbeitet in einer männerdominierten Industrie, in der 80 Stundenwochen normal und 100 Std/Woche en vogue sind. In ihrem Unternehmen wollen viele das Gleiche. Höher, schneller, weiter. Es gibt Burnout Symptome bei unter 30-jährigen. Es gibt bessere Wege um zum Ziel zu kommen. Sie ist die einzige, die sich strikt an das Prinzip: Leistung ohne Selbstausbeutung hält. Sie achtet darauf genug zu schlafen, gut zu essen, sich Zeit für Familie und Freunde zu nehmen und Dinge zu tun, die ihr wichtig sind. Letzte Woche wurde sie befördert.

Kurzfristig weniger, ist langfristig mehr: Entspannen, aufladen und weitermachen. Erfolgreiche Menschen beherrschen die Kunst der temporären Entspannung und sie wissen sie zu nutzen. Pausen stärken und inspirieren, um wieder voll durchstarten kann. Zerstreuung und Ruhe tun nicht nur gut, sie machen den Unterschied zwischen guten und besten Ergebnissen.

Wenn du dich das nächste Mal uninspiriert abmühst, denke dran, Laptop zuklappen, Luft holen und bewusst schönen Dingen hingeben ist herrlich. Du darfst es ohne schlechtes Gewissen tun, denn kurzfristig weniger, ist langfristig mehr: Pausieren, Batterie aufladen und danach darfst du wieder beschleunigen…